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Im Dialog mit Franz Radziwill

Werke von Martin Spengler und Zeitgenossen in einer Gegenüberstellung

„Nur Spezialisten wissen, wie und warum Technik (…) funktioniert. Hier nun liegt das Unheimliche, ja das Spukhafte und Erregende, das unser Tun und Leben beeindruckt, bedrängt. Dieses Bedrängtsein, das sich bis zur Angst zu steigern vermag, ist sehr ausgeprägt, das Wesen unserer Zeit. Darum fordert die Technik einen Ausgleich, den geistigen Raum, damit mit der Technik das Menschliche und somit der Mensch herrscht.“
Franz Radziwill 1969

„Über meinen Arbeitsprozess komme ich selbst zu Erkenntnissen über die Funktionalität von materiellen Dingen und Phänomenen. Architektur unterliegt bestimmten funktionalen Bestimmungen. Grundsätzlich ist sie schön und folgt immer einer bestimmten ästhetischen Ausformung. Architektonische Ästhetiken sind das Ergebnis langwieriger Versuche, etwas funktionieren zu lassen. Wenn man neben dem Kölner Dom steht, an einem Hochhaus hinauf schaut oder ein Autobahnkreuz aus der Höhe betrachtet, nimmt man die Kraft dieser Objekte wahr. Meine Werke fangen all dies in einer komprimierten Form ein, sie sind Fetische.“

Martin Spengler 2017

Das Eindringen der Technik in den menschlichen Alltag und in die ihn umgebende Landschaft hat das Werk Franz Radziwills (1895-1983) über einen großen Zeitraum bestimmt. Radziwill, der sich mit Ende 20 im Nordseebad Dangast am Jadebusen niederließ, zeigt in seinen Bildern zum einen die typische Küstenregion mit Booten, Deichen und Feldern, zum anderen veranschaulicht er mit den integrierten Strom- und Telegrafenmasten, Flugzeugen, Marineschiffen oder Gasometern auch den technischen Zeitgeist der 1920er bis 60er-Jahre. Die Ausstellung, die zuvor in der Kunsthalle Emden gezeigt wurde, thematisiert in der Gegenüberstellung von Gemälden und Aquarellen Franz Radziwills mit multimedialen Werken der Gegenwartskunst das ambivalente Verhältnis des Menschen zur von ihm erfundenen Technik – Angst und Skepsis stehen Enthusiasmus und Fortschrittsglaube gegenüber.

Die Ausstellung in der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen läuft von 2. Februar bis 22. April 2019.

> Mehr zu Martin Spengler bei Galerie Thomas

 

Abbildungen:
Franz Radziwill: "Stillleben mit elektrischer Lampe", 1960, Öl auf Leinwand auf Sperrholz, 61 x 56 cm, Radziwill Sammlung Claus Hüppe, courtesy Kunsthalle Emden, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Radziwill Sammlung Claus Hüppe. Martin Spengler: "AXA-Köln" (Crash L)", 2018, Sammlung Hildebrand, Leipzig. Franz Radziwill: "Mechanische Zeit ist nicht des Schöpfers Zeit" 1947, Öl auf Leinwand auf Sperrholz, 110 x 138 cm, Privatbesitz Köln, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: VAN HAM Kunstauktion/Sasa Fuis.

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