JOSEPH BEUYS - KISTEN

24. Februar - 1. April 2017

 

 

Im Werk von Joseph Beuys spielt die Kiste formal und inhaltlich eine bedeutende Rolle. Schon als Beuys begann, Editionen und Multiples zu schaffen, versah er diese Auflagenwerke häufig mit einem Karton oder einer Kiste zur Aufbewahrung - eine Art Behausung für den künstlerischen Gedanken, den die jeweilige Arbeit ausdrücken wollte. Und auch die Vitrinen, die der Künstler schon früh zum beziehungsreichen Arrangement mehrerer einzelner Werke benutzte, verstand er als Kisten, als rahmende Heimstätten des komplexen Gesamtwerks. Auch in den großen Installationen und in seinen Performances - und oftmals ergab sich das eine aus dem anderen - tritt das Motiv der Kiste häufig prominent auf, als eigenständiges Objekt oder als bedeutungsvoller Rahmen.

Dabei ist die "Kiste" für Beuys stets ein symbolisches Gefäß, das auf die Notwendigkeit des Befüllens, auf einen geistigen Gehalt hinweist, und nicht nur bloßes Behältnis. Am deutlichsten wird dies vielleicht in dem ganz einfachen Multiple der "Intuitionskiste", einer schlichten hölzernen Schachtel, die Beuys nur in Bleistift mit dem Wort "Intuition" und seiner Signatur bezeichnet hat. Eine klare Aufforderung an den Betrachter, selbst tätig zu werden, eine geistige Füllung anzustreben und das Symbol des Gefäßes als Hinweis auf die Notwendigkeit zu eigener Kreativität im Beuysschen Sinne zu verstehen.

Damit bezieht sich Beuys, für den das spirituelle Erbe der westlichen Kultur (als Relikt der verlorenen Ganzheitlichkeit mit der östlichen Geisteswelt) und insbesondere die alchemistische Verknüpfung des Sinnlichen mit dem Übersinnlichen von großer Wichtigkeit war, auf das Konzept des "corpus quasi vas", also des materiellen Körpers als Gefäß und Behausung der immateriellen Seele. Spürbar wird diese Verbindung für ihn in den Wirkungen von Energie, Wärme, Isolierung - der Austausch von Kräften ist Leben, in ihrer sinnlichen Erfahrung wird das Transzendente faßbar.

Daher rührt seine persönliche Materialikonographie von Fett und Filz, von Kupfer, Zink und Schwefel - Materialien, die solche Energieströme erzeugen, bündeln, leiten oder isolieren. In der "dummen Kiste" von 1983 hat Beuys diese Symbolik in größter Klarheit zum Ausdruck gebracht, denn die Energie kann nicht durch ihre Kupferplatten fließen, weil sie durch isolierende Filzstreifen voneinander getrennt sind. Deshalb ist die Kiste "dumm" - sie läßt keine Zirkulation der Energie zu und widersetzt sich so auch der Aufnahme eines geistigen, immateriellen Inhalts.

In der Galerie Thomas Modern erlaubt eine konzentrierte Gruppierung von "Kistenarbeiten" um die "dumme Kiste" einen Blick auf diesen Aspekt des künstlerischen Kosmos, den Joseph Beuys geschaffen hat.

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